Spiegel-Bilder
05.05.2026
«Ich hatte nie einen Lehrer, der mir gesagt hätte: Der Elefant ist nicht rosarot.» Damit wäre der Lehrer bzw. die Lehrerin bei Nelly Stutz auch nicht weit gekommen. Denn: «Ich kann nicht haben, wenn mir jemand sagt, was ich tun soll.» Nelly ist aber auch keine Rebellin, die alles Gegebene über den Haufen wirft. Grundsätzlich habe sie sich schon angepasst, so sei sie erzogen worden, meint Nelly. Und doch den eigenen Weg gegangen.
Schon in der Primarschule wusste sie, dass sie Lehrerin werden wollte. Ihre eigene Primarlehrerin war an diesem, damals bereits so fest gefassten, Entschluss wohl nicht ganz unschuldig. «Sie hat mich sehr geprägt.» Die Ausbildung zur Primarlehrerin beinhaltete damals auch Zeichnen, Malen und Werken, die Lehrerinnen gaben zu der Zeit noch alle Fächer. Die ihr vorgeschlagene Kunstgewerbeschule lehnte Nelly zugunsten der Berufssicherheit als Lehrerin ab. Ausserdem gefiel es ihr, mit Kindern im Primarstufenalter zu arbeiten, sie auf ihrem Weg zu unterstützen, häufig auch weit über die schulischen Verpflichtungen hinaus, später dann auch in der Lernförderung.
In den Beruf war sie eingestiegen, als ihre eigenen Kinder noch sehr jung waren. «Da hab ich im Nachhinein ein bisschen Getuschel gehört.»
Später, als dann etwas mehr freie Zeit zur Verfügung stand, wurde diese in zahlreiche Malkurse investiert. Dabei stand für sie immer das Freie, Expressive im Vordergrund, nie die perfekte, korrekte Zeichnung, das sei ihr zu steif gewesen.
Getreu dem Zitat von Picasso: «Ich konnte schon früh zeichnen wie Raphael, aber ich habe ein Leben lang dazu gebraucht, wieder zeichnen zu lernen wie ein Kind.» Nelly hat dabei die Raphael-Phase stets eher grosszügig interpretiert – gerade, exakte Linien oder perfekt abgemessene Proportionen waren nie so das Ihre. Den etwas kindlich-naiven Stil habe sie immer gehabt, erzählt sie. Und doch haben Ihre Bilder durchaus lineare Strukturen, etwas Ordnung muss schon sein: «Weil eben das Wildere, am Schluss gibt das eine braune Sauce und das will ich ja auch nicht.» Eine gute Balance zwischen Kopf und Bauch braucht es. «Ich bin lange vollkommen frei und locker, und dann kommt ein Punkt, da weiss ich nicht, wohin.» Das sei manchmal etwas ein Krampf, bis das Bild anfange, mit ihr zu reden. Wenn es zu «kopfig» würde, ginge sie die Wäsche aufhängen oder wandern oder Velo fahren oder was auch immer, um sich nicht an einem Punkt so festzubeissen. Verzweiflungsanfälle, wenn es nicht so tut, wie Nelly es gerne hätte? Nicht bei ihr – Nelly ist mit einer guten Portion Vertrauen in sich selbst und das Leben als solches ausgestattet, viel Zweifel ist da nicht zu finden. Sie könne ja immer wieder übermalen oder die Bilder ein paar Jahre stehen lassen. Auch Bilder, die sie früher gut fand, werden wieder übermalt, losgelassen für etwas Neues.
Nelly findet ihre Inspiration draussen, in Gefühlen oder auch in Worten, zu denen sie dann Geschichten schreibt. Der Ausdruck ihrer Bilder ist ihr immer wichtig. Zu konkret möchte sie nie werden, denn sie möchte den Betrachtenden die Freiheit für eigene Interpretationen lassen. «Man muss nicht das Gleiche sehen wie ich.» Und so werden ihre Bilder zur Projektionsfläche der jeweils eigenen Biografie – Spiegel-Bilder sozusagen.
Nelly wird ihre Bilder in der Spiegelgasse 1 (ja, wirklich) zeigen.
Text: Ulrike Matter, Kommunikation ArtWalk Bremgarten 2026
