Lebe lieber ungewöhnlich
18.06.2026
Er arbeitet als Schreiner, als Kunstschaffender, als Heiler, veranstaltet Workshops und Events mit Gross und Klein und hat – im klassischen Sinne – nur ein einziges Diplom vorzuweisen: «Die einzige Ausbildung, die ich je gemacht habe, ist die als Möbelschreiner», so Urs Heinrich. Selbstverständlich wurde er dafür von vielen Seiten mit Rat erschlagen. «Unter dem hab ich die ersten Jahre schon gelitten», gibt Urs zu, «meine Kollegen haben alle Kunst studiert». Das war bei Urs nicht möglich – eine Familie musste ernährt werden. Aber: «Ich hab dann gemerkt, dass alles schon in mir drin ist.» Offenbar überzeugte er schnell auch andere. Es habe mit seiner Einstellung zu tun gehabt, meint er. Irgendwann fragte er sich, warum die Leute nicht einfach zu ihm kämen. Der Erfolg gab ihm recht. Heute lebt der Autodidakt von den Anfragen von Firmen, Schulen und Institutionen. Seine Philosophie ist simpel, aber kraftvoll: einfach machen.
Vom Banker zum Kindheitsglauben
«Wie das angefangen hat mit diesen Workshops, ich weiss es auch nicht», so Urs. Es brauche etwas Mut, das zum ersten Mal zu machen. Und doch: «Ich habe am laufenden Band Anfragen. Jetzt wieder Projekte im Herbst. Das ist verrückt.» So hatte er einst auch 200 Angestellte der grössten Schweizer Bank dazu gebracht, sich Papierhüte aus Zeitungen und Klebeband zu basteln und mit ihm gemeinsam Cervelats zu braten: «Die Veränderung, die bei den Menschen stattfindet, in den paar Stunden, da passiert wirklich etwas. Die gehen nicht mehr so nach Hause, wie sie gekommen sind.»
Innert kürzester Zeit weiche die erwachsene Zurückhaltung einer tiefen, kindlichen Neugier.
Heilung ohne Diplom
Von aussen kam auch der Impuls, mit Heilarbeit zu beginnen. Auch das funktioniere einfach: «Es passiert wie von selbst. Ich muss eigentlich gar nichts machen. Ich bin nur ein Instrument.» Ganz so einfach war es aber nicht von Anfang an. Da hatte Urs sich schon gefragt, ob er das überhaupt machen dürfe, so ohne Ausbildung. Zudem hatte ihn die unvermeidliche Kritik durch andere zunächst auch ausgebremst. Doch: «Es passiert einfach, den Leuten geht es besser, es tut ihnen gut, es kann also nicht schlecht sein.» Dazu kam die Erkenntnis, dass (ungefragte) Kritik oft mehr mit dem Gegenüber als mit einem selbst zu tun hat.
Eine tägliche Entscheidung
Schaut man sich auf Urs’ Webseite um, wirkt alles immer sehr sonnig, positiv und fröhlich. Diese grundsätzlich positive Einstellung dem Leben gegenüber sei eine Entscheidung, sagt Urs: «Es ist ein Prozess. Ich habe gemerkt, dass ich nicht den Müll der ganzen Welt spüren will. Dafür kann man sich entscheiden und mehr im eigenen Licht sein. Aber das ist Arbeit, die du jeden Tag machen musst. Das merke ich. Manchmal, wenn einbelastender Gedanke kommt, dann ist schnell klar: Ah! Die alte Schallplatte setzt wieder ein.»
Mit der Zeit würde man dann merken, dass das nur das Denken sei. Und wenn man das einmal durchschaue, dann nehme man das nicht mehr so ernst.
Kreativ im Moment
Urs selbst bezeichnet sich als kindlich. Er mache gerne Blödsinn mit Kindern, erzählt er. Ihn beeindrucken ihre Direktheit und ihre Authentizität. So ist er auch immer wieder in Schulen engagiert. Und beim ArtWalk 2026 wird er wieder «Bremgarten malt» in der Stadtbibliothek für Kinder anbieten: «Ich versuche, Kinder so weit zu bringen, dass sie aus sich heraus etwas schöpfen können.»
Ein Perfektionist sei er selbst schon, als Schreiner müsse er ja sehr genau arbeiten. Bei seiner eigenen Kunst ist das teilweise sicher auch mit dabei. Doch Ideen und Inspirationen kommen unterwegs, und ohne zu viel nachzustudieren, arbeitet sich Urs dann durch seine Projekte: «Das passiert durch das Tun. Mit den Jahren merkt man, wenn man am Arbeiten ist, und man weiss nicht, wie weiter, kommt die Lösung, indem man einfach weitermacht.»
Neben der Performance mit den Kindern in der Stadtbibliothek wird Urs noch seine Energiebilder im Velowerk und Shop Rad 73 in der Sternengasse 4 präsentieren. Und schliesslich noch einen Baum aus Tannenholz vor der katholischen Kirche aufbauen. Wenn dort etwas nicht funktioniert, dann «mach ich es eben anders». Aus dem Moment heraus.
