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Mein Freund Gomez

Mein Freund Gomez

21.05.2026

Ohne Gomez würde es diesen Artikel nicht geben. Das Alter Ego von Anton Rittiner, Bildermacher und Bastler, demnächst wohnhaft in Spiez, ist immer da, wenn es schwierig wird: «Wenn man mir früher gesagt hätte, dass ich mit einer mir unbekannten Person über Zoom ein Interview führen muss, hätte ich gesagt, das geht auf keinen Fall. Gomez aber, der schafft das.» Das Kreieren eines Alter Egos ist eine gute Methode, um eigene Blockaden zu umgehen, und kommt häufiger vor, als man so denken könnte. Viele Kunstschaffende haben ein Alter Ego entwickelt, das ihnen erlaubt, eine andere Seite von sich zu zeigen.

Gomez jedenfalls lebt jetzt schon lange mit Rittiner, seit dem Jahr 2000, um präzise zu sein.  Und der Name? «Ich verstehe Kunst nicht. Und weil es ja dieses Sprichwort gibt: ›Das kommt mir spanisch vor‹, trägt Gomez eben diesen Namen.«

Rittiner hingegen gibt es schon deutlich länger als Gomez. Aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf in den Walliser Bergen mit zehn Geschwistern. Erzkatholisch, erzkonservativ, «gewaltige» Regeln. In den dreimonatigen Sommerferien, die keine waren, wurden die Jungen damals auf die Alp geschickt, Kühe hüten. Allein, in mehr oder weniger angenehmer Gesellschaft: «Da ist man sehr einsam.» Zurück in der Schule war das Leben nicht viel besser, das «verdammte in-der-Schule-sitzen» war auch nicht Rittiners Glück. Eine Rolle mag auch gespielt haben, dass man den Linkshänder auf rechts getrimmt hat. Erst vor drei Jahren, mit über sechzig, fing er an, mit links zu zeichnen und zu malen: «Seitdem sind meine Skizzen schlechter. Aber auch besser.»

Mit siebzehn kam damals dann die Lehre als Dekorationsgestalter: «Das war nicht so ein kreativer Beruf für mich.» Denn für Rittiner gab es nur den einen Weg: «Seit ich denken kann, wollte ich immer nur Maler werden. Von zu Hause aus gab es da gar kein Vorbild.» Seine Familie sei zwar schon kulturell interessiert und sehr musikalisch gewesen, aber er sei der einzige Maler.

Mit über zwanzig ging es dann das erste Mal in die Ferien, nach Dänemark ans Meer. «Das hat mir enorm gefallen und ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Es war zwar das Flachland und ich komme aus dem Gebirge, aber man kann in beidem einfach sein, ohne dass einem ständig jemand in der Quere kommt.» Rittiner sagt, er benötige viel Zeit für sich, und zwar ungestört. Ein Gemeinschaftsatelier war nichts für ihn, er geniesst das Alleinsein in seinem eigenen Atelier, wo niemand ungefragt hineinkommt. Er malt allein. Skizzen maximal in der Anwesenheit seiner Frau. Die hatte er schon früh kennengelernt: «Als ich siebzehn war, gab es ein Projekt mit Brieffreundschaften, und dann habe ich ihr Briefe geschrieben, bis ich 24 war. Da hatte ich schliesslich das Gefühl, es reicht jetzt.» Ein letztes (und erstes, denn sie waren sich nie persönlich begegnet) Treffen sollte es noch geben, und seit diesem letzten/ersten Treffen sind sie zusammen.

Für den ArtWalk 2026 hat Rittiner Miniaturbilder erschaffen. Zu dem Projekt hat ihn ein Kollege inspiriert. Rittiners Miniaturen zeigen Figuren in Verbindung, sehr reduziert und etwas melancholisch angehaucht. «Die Melancholie gefällt mir», sagt Rittiner.

Doch Rittiner hat auch gesellige Züge: «Wenn ich nicht muss, kann ich gut reden.» Im Privaten sei er der Gesprächigere des Ehegespanns. Auch der Austausch mit anderen Kunstschaffenden ist ihm wichtig: «Fast alle Ideen, die ich entwickle, haben mit anderen Menschen zu tun.» Dabei ist Gomez häufig behilflich. Ohne ihn hätte es auch den Blog «Isla Volante» nicht gegeben. Eine Fortsetzungsgeschichte mit treuem Publikum, der man auf Rittiners und Gomez’ Homepage folgen kann. Gomez schafft Nähe, wo Rittiner Mühe hat, und Distanz, wo Rittiner sie ohne ihn nicht findet. Rittiner und Gomez sind ein wunderbar eingespieltes Doppelgespann – was zeigt, dass man manchmal nur zu zweit ganz bei sich selbst ankommen kann.

Text: Ulrike Matter, Kommunikation ArtWalk Bremgarten 2026

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