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Projekt Mammut

Projekt Mammut

20.04.2026

«Den hats mir hineingeschneit, den Mammutbaum», so Brigitte Blaser, ihres Zeichens Kunstschaffende mit Kettensäge. Einst auf dem Theaterplatz in Baden beheimatet, hatte im Jahr 2003 der Blitz den grossen Mammutbaum getroffen, darauf folgte ein Pilzbefall. Im Jahr 2024 schliesslich war der Baum derart geschwächt, dass er seine Nadeln nicht mehr zu tragen vermochte – und so kam das Ende des Mammutbaums, der bis dahin etwa 150 Jahre auf dem Theaterplatz residiert hatte.

Und doch – zumindest für ihn gab es ein Leben nach dem Tod. Seine gigantischen Überreste landeten nämlich bei Brigitte, die – nach Jahren der Arbeit mit Holz – beste Beziehungen zum Badener Forstamt pflegt. Und so wurde aus dem Mammutbaum ein Mammutprojekt.

Bevor sich Brigitte und der Mammutbaum trafen, hatte Brigitte bereits einige bewegte Stationen, die viel Durchhaltevermögen erforderten, durchlaufen: Ursprünglich Primarlehrerin, hatte sie schon früh Gefallen an der kreativen Arbeit mit den Händen gefunden. Sie arbeitete viel mit der Nadelspitze, machte dafür auch Weiterbildungen im Bereich Textil und Gestaltung an der Schule für Gestaltung in Zürich. Doch Beruf, Familie und kreative Arbeit: «Drei Sachen waren einfach zu viel.» So musste die kreative Seite vorerst noch etwas warten. Schliesslich trat der Sport in ihr Leben, sie lief mehrere Marathons und fuhr mit dem Velo quer durch die USA. Derart gestählt und durchtrainiert, dazu noch mit Zeit für ein Sabbatical, war dann die Energie für ein neues Projekt da: die Holzbearbeitung. Seit dem Jahr 2011 ist sie nun mit der Kettensäge unterwegs, auch eine körperlich sehr fordernde Arbeit. Sie wollte etwas «ganz anderes» machen.

Mit dem Ende des Baumes auf dem Theaterplatz begann das «Jahr der Sequoia» (so der lat Name des Baumes) für Brigitte. Das Holz von einem Mammutbaum zu bearbeiten, ist gar nicht so einfach: Das Innere des Stammes ist sehr trocken und splittert leicht. Das Äussere ist auch nicht zu brauchen. Dazwischen ist das Holz, mit dem Brigitte arbeiten kann, das Filetstück gewissermassen, und das ist beim Mammutbaum mit seinem beeindruckenden Stammumfang recht gross.

So wurden aus dem Mammutbaum Stühle und Schalen und Hocker und zahlreiche andere Objekte. Die Dicke des Stammes erlaubte Stücke in entsprechender Dimension.

Schliesslich entstand auch der Mammutmantel. Für diesen fertigte Brigitte Holzplättchen mit einer Kantenlänge von je fünf Zentimetern. Insgesamt eintausenddreihundertsechsundsiebzig Stück. Mit je einem Loch in der Mitte der Kante. «Das war sehr meditativ», erzählt Brigitte. Eine Mammutmeditation sozusagen. Oder eben ein bisschen wie Textilarbeit, wie Brigitte anmerkt. Die vermisst sie bisweilen, das Langsame, das Ruhige. «Mit den Händen zu arbeiten, wo man das Hirn gehen lassen kann.» All diese Plättchen verband sie mit roten und orangefarbenen Kabelbindern, die wie die Nadeln des Baumes anmuten.

Doch ohne das Angebot von der Galerie Anixis in Baden für einen Raum hätte es den Mantel vielleicht doch nicht gegeben. Die Installation ist immerhin fast drei Meter hoch und hat auch einen ebenso grossen Umfang. Doch mit dem Raum, der nötigen Zeit und viel Geduld entstand schliesslich der Mammutmantel. «Maria, breit deinen Mantel aus», zitiert Brigitte das Marienlied. «Das hat für mich immer so eine beschützende Schönheit. Und das ist doch eine schöne Vorstellung.»

Passend dazu wird der Mammutmantel beim ArtWalk 2026 in der Kapuzinerkirche zu sehen sein.

Der Mantel hat einen Eingang, sodass man sich dann ganz im Schutz des einst so mächtigen Baumes wiederfindet. Auch eine schöne Vorstellung.

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