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Bilder eines Charakters

Bilder eines Charakters

20.04.2026

Irma Schoch-Juon wurde die Kunst quasi in die Wiege gelegt. Kaum derselbigen entstiegen, begannen auch schon ihre malerischen Ambitionen. Diesen liess sie gemeinsam mit ihren beiden Schwestern bisweilen mit frühkindlicher Fantasie im Kinderzimmer freien Lauf. Mit Farbstiften. Nun, die Eltern waren eher mässig begeistert, vereinbarten aber mit ihren drei Töchtern, dass sie das Kinderzimmer weiter bemalen dürften, vorausgesetzt, der Rest des Hauses bliebe verschont. Dass ihre Eltern so viel Verständnis für den künstlerischen Tatendrang ihrer Kinder hatten, war wohl auch dem Umstand geschuldet, dass beide kreative Berufe hatten. Dazu kam: «Ich hatte fast keine Spielsachen, aber immer Farben», so Irma. Farben und viel Malfläche auf den Rückseiten der Konzertanzeigen ihres Vaters. In einem Elternhaus, in dem Musik, Kunst und Literatur tägliche Begleiter waren, wäre es nur folgerichtig gewesen, wenn Irma – wie ihre Schwestern – beruflich auch in diese Richtung gegangen wäre. Indes, es kam anders: Irma wurde Kindergärtnerin. Die Kunstgewerbeschule in St. Gallen war es nicht: «Vielleicht war ich damals einfach nicht reif genug», meint sie, «sonst hätte ich es vielleicht durchgestiert.» Und die Musik auch nicht: «Der Lehrer hat oft gesagt, ich solle mit meiner Querflöte ans Konsi, aber ich hatte keine Lust.»

Die Musik blieb ihr dennoch erhalten, sie unterrichtet später Blockflöte an verschiedenen Musikschulen. Und die Malerei, einst so hoffnungsvoll begonnen? Die ruhte. Für ganze vierzig Jahre. Um dann mit Beginn der Rente volle Fahrt aufzunehmen. Ein Kurs kam zum anderen und schliesslich eignete Irma sich «die Grundlagen», wie sie es nennt, innert fünf Jahren in der «Schule für Malen, Sehen und Kunstorientierung» in Luzern an. Es folgten zahlreiche Weiterbildungen, Kurse, Workshops und Malwochen.

Ihre bevorzugten Malmedien sind Ölfarben und Pastellkreiden. Ihre Pastellkreiden kaufte sie vor einigen Jahren im Mekka der Pastellkreidenhersteller, im Maison du Pastel in Paris. Damals war sie nach Paris eingeladen worden, betrat unvorsichtigerweise den Laden («Ich wollte nichts kaufen») und kam mit einer grossen Box Pastellkreiden wieder hinaus. Künstlerinnenschicksal.

Immer wieder packt sie ihre Ölfarben und eben jene Pastellkreiden in ihren Wagen und fährt zum Landschaftenmalen. Auf eine Alm, an den Lago di Mezzola, in die Toskana, demnächst in die Provence.

Doch die Landschaften sind das eine. Irma interessiert sich aber auch je länger, je mehr für die Porträtmalerei. Akte zwar auch, aber die Porträts sind ihr wichtiger, denn: «Es interessiert mich mehr, herauszufinden, was das für ein Mensch in dem Körper ist.» Zu Beginn noch fremd, sei es das Interessante, das Wesen eines Menschen in so kurzer Zeit einzufangen und eine eigene Interpretation davon wiederzugeben. Wobei man die einen besser spürt und manch andere gar nicht. «Das gibt es einfach, so Modelle, wo man gar nicht drankommt.»

Anfragen für Porträts hatte Irma auch schon und sie hat sie sogar angenommen: «Ich habe natürlich immer Lust, solche Herausforderungen anzupacken.» Phasen der Verzweiflung gehören dann wohl einfach dazu.

Die am ArtWalk 2026 im Klösterli gezeigten Porträts sind unter anderem in einem Kurs in Zürich entstanden, aus praktischen Gründen mit Acryl. Die Zeit war sehr begrenzt, nur zweieinhalb Stunden. Da muss man sich auf das Wesentliche beschränken, was manchmal herausfordernd sein kann: «Gerade in Zürich kommen die Leute manchmal daher … mit massenhaft Schmuck und so weiter, das bekommt man in den zweieinhalb Stunden gar nicht hin.» So ist denn die Kunst des Auslassens gefragt. Schliesslich ist es der Charakter, der zählt.

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