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Das burmesische Alphabet

Das burmesische Alphabet

19.05.2026

«Kunst hat mich zu dieser Zeit gar nicht interessiert», sagt Kurt Baumann, Kunstschaffender aus Aarwangen. Damals, das war kurz nach dem Lehrerseminar, da trieb das Fernweh den jungen Kurt herum. Zunächst in Europa per Interrail. Nach ein paar Jahren ging es für ihn schliesslich nach Grossbritannien, um sich im Englischen weiterzubilden. Und dort entdeckte er dann auch das Kunsthandwerk für sich. Zurück in der Schweiz wollte Kurt etwas mit den Händen machen, da war auch eine gewisse Prägung aus der Jugend dabei, in der Kurt «aus irgendeinem Zeug, das wir hatten» etwas zusammengebastelt hatte: «Und da wollte es der Zufall, dass einer einen Handwerker für Altbausanierungen gesucht hat.» Dort habe er sehr, sehr viel gelernt, was das Handwerk anbelangt.

Insgesamt verbrachte Kurt fünf Jahre auf dem Bau. Zwischendurch machte er Stellvertretungen als Lehrer. Und eine Weltreise. Diese führte ihn in die Fernferne. Das Reisen war zu der Zeit in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts aufwendiger als heute. Die Welt war grösser als heute, die Wege länger. Südostasien, Australien, Ozeanien …

«Wir waren immer unterwegs. Zwei Tage dort, zwei Tage dort. Immer zu Fuss, immer öffentliche Verkehrsmittel», so Kurt. Was ihn am meisten beeindruckt hat? Die Gastfreundschaft und die Offenheit, die ihm und seiner Frau Magdalena an allen Orten begegnete. Wildfremde Menschen, die den beiden ein Obdach anboten. Einzigartige bis skurrile Begegnungen, die Kurt und Magdalena die Menschen und ihre Kulturen näherbrachten. Das leben sie auch bis heute in der heimatlichen Schweiz:

«Wir haben immer wieder Leute, die von Tschechien kommen, von Deutschland oder einfach Leute, die wir kennen, oder Freunde, die bei uns sind. Wir haben ein offenes Haus.» Kurt absolvierte in dem Bedürfnis, seine handwerklichen Kenntnisse zu vertiefen, zahlreiche Kurse und Ausbildungen. Er unterrichtete dann das Fach «Technisches Gestalten»: «Ich hatte dann in Langenthal eine Stelle als Werklehrer.»

Und landete dann schliesslich mit seinen Installationen in der Kunstszene. Wobei er sagt: «Kunst im kunsthistorischen Sinn hat mich nie gross interessiert.»

Es war das Machen, das Kreieren, was ihn antrieb. Und das Arbeiten mit verschiedenen Materialien. Sich auf einen Werkstoff festzulegen, das wäre nicht Kurts Weg. Es ist das Material selbst, das dann den Arbeitsprozess einleitet: «Es ist kein philosophischer Gedanke oder ein Politikum. Kein gesellschaftliches Thema, das ich aufgreife. Wobei es das auch gibt. Aber das ist es nicht in erster Linie. In erster Linie ist es ein Gegenstand oder ein Material, das mich fasziniert, das ich nachher weiterverfolge und mit dem ich experimentiere.» Das Thema komme dann mit dem Resultat.

Das Material für seine Kunst findet Kurt so ziemlich überall. Notfalls im Plastikmüll am Strand. Und die Ideen? Ja eben – in der Auseinandersetzung mit fremden Gebräuchen und Kulturen. Am ArtWalk wird Kurt – unter anderem – seine Materialalphabete zeigen. Zu diesen wurde er von dem burmesischen Alphabet inspiriert, das für Leute, die damit nicht vertraut sind, aussieht wie abstrakte Kringel und Halbkringel. Derart angeregt entwarf Kurt verschiedene abstrakte Alphabete wie das «wc.entisch» oder das «tenniballisch» oder das «petisch» und so weiter. Experimentierfreude und etwas Augenzwinkern spiegeln sich in Kurts Werken wider, dessen Reiseradius heute etwas kleiner ist als früher. Dafür ist der innere Horizont umso grösser.

Text: Ulrike Matter, Kommunikation ArtWalk Bremgarten 2026

 

 

 

 

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