In Verbindung
07.05.2026
«Es gibt einfach Sachen, die man nicht so beachtet, wenn man im Wald spazieren geht», so Jana Schafroth, Kunstschaffende mit eigenem Atelier am Waldrand in Remetschwil. Wichtig sei ihr, dass man nicht einfach so schnell an allem vorbeilaufe oder drüberfahre, sondern die Umgebung genau wahrnehme.
«Es geht alles so schnell verloren» – eventuell könnte man da etwas Wehmut heraushören, doch das verschwindet rasch hinter der grundsätzlich positiven Einstellung und dem festen Willen, das Schöne und Gute in der (Um)Welt zu sehen. Für Jana gibt es nichts Schöneres, als in der Natur zu sein. Ihre Erfüllung findet sie in der Verbindung mit den Lebewesen um sich herum. Schon als Kind wohnte sie am Waldrand, ging mit den Enten der Familie im Wald spazieren.
Ihr erstes Buch war ein Buch mit Pfotenabdrücken: «Ich bin immer schon so ein Tiermensch gewesen.» Das ist heute auch noch einer ihrer Berufe – «von Kunst allein kann ich nicht leben» – als Dogwalker geht sie mit den Hunden anderer spazieren. Aber Moment – wie kam Jana von der Tierliebe zu ihrer Ausbildung als Schriften- und Reklamegestalterin? «Ich wäre gerne Tierpflegerin geworden, war damals aber praktisch gegen alle Tierhaare allergisch.» Das hat sich zum Glück grösstenteils ausgewachsen, stand allerdings der damaligen Berufswahl im Wege.
Und dann …? «Ich bin schon immer sehr kreativ gewesen, habe gemalt und Geschichten geschrieben.» Sie habe etwas gebraucht, wo sie mit den Händen arbeiten konnte. Tage auf dem Bürostuhl vor dem Computer, das wäre nie infrage gekommen. In der Ausbildung lernte man damals noch Zeichnen, Fassadenmalen und Vergolden, sehr erfüllende und sinnliche Fertigkeiten.
Es folgten zahlreiche berufliche Stationen und auch ein eineinhalbjähriger Aufenthalt in den USA. Seit dem Jahr 2017 ist Jana freiberuflich tätig. Viele verschiedenartige Aufträge, Ausstellungen, ein von ihr illustriertes Kinderbuch, dazu den Kopf voller Ideen, die Hunde nicht zu vergessen – es läuft einiges. Mit den Hunden anderer und dem eigenen ist sie viele Stunden in der Natur unterwegs. Dabei wird gesammelt: vertrocknete Fruchtstände, Blättchen, Zweige mit Moosen und Flechten. Federn … was man alles so findet, wenn man mit offenen Augen durch die Wälder streift. Ihre eigenen Arbeiten wurzeln denn auch immer in ihren Naturerlebnissen in ihrer Umgebung. Seien es Bilder von Baumschatten im Wald, gemalt auf Baumwolltüchern, mit Blättern oder Blättchen gedruckte Formen oder mit Naturmaterialien gestaltete Bilder. All diese Projekte entstehen erst in Janas Kopf und, wenn dann fertig ausgereift, werden sie in die Tat umgesetzt.
Ihre Intentionen sind, wieder bewusst zu machen, was es alles gibt, und verloren Geglaubtes wieder ins Bewusstsein zu holen. «Früher haben alle Grosseltern gewusst, was sie im Garten haben und was man essen kann, was einem guttut», so Jana.
Die Schönheit und die Vielfalt der Pflanzen zeigen, das war auch ihr Grundgedanke für ihr Projekt beim ArtWalk. Dafür hat sie Blätter gesammelt, sie mit verdünnter Acrylfarbe bestrichen und damit Monotypien auf Baumwollbahnen gedruckt. Keine Pflanzen aus Exotien, sondern Pflanzen, die in ihrem Garten oder einfach am Wegesrand wachsen. Diese Bahnen werden am Pavillon zu finden sein: «Ich wollte, dass die Tücher sich bewegen, dass es etwas Fliessendes ist.» Dazwischen kommen noch Bänder, die diesen Eindruck verstärken, gefärbt mit Farben von Rüben, Avocado, Nussschalen, Rotkohl …
Ausserdem wird sie im Garten vom Schlösschen kleine Quadrate mit Naturobjekten, befestigt an einem Holzstuhl, präsentieren. Ein Ort zum Innehalten, Verweilen und Wahrnehmen.
Janas Botschaft: «Ich verbringe so gerne einfach Zeit draussen. Das holt einen so runter. Das ist auch das, was vielen wahrscheinlich helfen würde, wenn sie einfach mal rausgehen würden. Ein bisschen durch den Wald laufen und alles andere vergessen.» Dem kann sich die Schreiberin dieser Zeilen nur anschliessen.
Text: Ulrike Matter, Kommunikation ArtWalk Bremgarten 2026
