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Der Mensch im Zentrum

Der Mensch im Zentrum

17.05.2026

«Es gibt viele Museen, wo das so läuft», so Claudia Bucher Martin, Künstlerin und Inhaberin des Ateliers «Weisse Düne» (benannt nach dem gleichnamigen Café auf Norderney), auf die Frage, ob sie bei ihren geführten Kunstvermittlungen etwas über den Künstler und sein Werk erzählt. Lieber sei es ihr aber, die Besuchenden in eine Art Entdeckerprozess einbeziehen zu können. Das sei aber nicht überall gewünscht.

Je nach Sujet kann dieses «Einbeziehen» schnell sehr persönlich werden: «Nimmst du deinen Hund mit ins Bett?» Öhmm… Würde man so etwas vor einer Gruppe Fremder bejahen? Oder sich der sich anschliessenden, unvermeidbaren Diskussion lieber nicht stellen? Wie viel gibt man von sich preis, wie viel erfährt man von sich selbst bei so einem Anlass?

Diese Art der Kunstvermittlung benötigt sehr viel Vorbereitungszeit. Am Ende werden alle einbezogen. Hohe Partizipationsstufe nennt sich das.

Claudia stellt bei Porträts dann unter anderem die Frage, wie man sich selbst malen würde oder ob man das Grundbild hinter einer Abstraktion erkennen könne. Dazu braucht es keine Kenntnisse der Kunstgeschichte, es geht nur darum, herauszufinden, was einem warum gefällt. «Ich kann anderen gar nicht Kunst erklären», sagt Claudia, «mein Ansatz ist der Mensch und der Kontakt zu der Person». In ihren Workshops in ihrem Atelier bringen denn auch alle ihre eigenen Ideen und den jeweiligen Hintergrund mit. «Ich möchte den Rucksack, den man mitbringt, respektieren, und dort möchte ich auch ansetzen.»

Sich abgrenzen, andere nur reflektieren, das ist ihr Grundsatz. Sie habe eine gute Menschenkenntnis, die habe sie schon in ihrem Basisberuf schulen können: Claudia ist gelernte Coiffeuse. Als solche war sie sehr erfolgreich, hat im In- und Ausland gearbeitet, Awards gewonnen. Das Ende dieser Karriere kam mit der Familiengründung – im halben Pensum wäre der Job nicht mehr das Gleiche gewesen. Ein paar Jahre Vollzeit-Familienarbeit, eine Ausbildung als Immobilienbewirtschaftern und schliesslich … die Kunst in nahezu allen möglichen Facetten: Beton, Holz, Ton und schliesslich ein Fernstudium in Malerei. Vorerst letzte Station auf dieser Reise sind Installationen.

Claudias Projekt für den ArtWalk 2026 ist eine Mischung aus fast alldem. «Es wird einen Kubus auf dem Kornhausplatz geben, aus Holz.» Selbstgebaut …? Natürlich! An jeder Seite wird Claudia eine grosse Leinwand befestigen und dann vor Publikum malen. Genauer gesagt: mit dem Publikum malen. Alle, die wollen, können sich dort einbringen. «Jede Person hat die Möglichkeit, sich dort hinzusetzen oder mit mir ins Gespräch zu kommen.»

So entstehen in Claudias Händen Schicht für Schicht immer wechselnde Bilder. Vorarbeit ist vonnöten in Form von Skizzen, mit denen Claudia dann die Umgebung des Kornhausplatzes erkunden wird. Das Grundthema ist Masse vs. Fläche, Präsenz vs. Absenz. Ein wenig aus Claudias Lebensthema – sie schätzt die Interaktion mit den Menschen und gleichwohl auch das Alleinsein.

Die Weisse Düne, übrigens das Café auf Norderney, war Claudias Anlaufstelle auf ihrer ersten Soloreise. Viele weitere sollten noch folgen. Und es wird sicher noch weitere geben.

Text: Ulrike Matter, Kommunikation ArtWalk Bremgarten 2026

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